Bericht 16.4.2005

Damit ich nicht all zu sehr den Faden dieser Berichte verliere wiedermal ein Update, bevor wir morgen übers Wochenende Lima mal kurz verlassen werden und in Paracas die Natur erleben dürfen. Da ich diese und letzte Woche nicht viel berichtete, doch aber enorm viel Wichtiges geschah, hier nochmal einen Rückblick über den Einkauf und den Aufbau des Computer-Raumes.

Nachdem ich Anfangs letzte Woche die vollständige Ausschreibung und der Lehrplan des Linux-Kurses fertigstellen konnte, war Mittwoch und Donnerstag Grosseinkauf. Um von den ursprünglich budgetierten 10 PCs für je USD 900 auf insgesamt 21 Maschinen zu gelangen, entschieden wir uns für einen "Strassen-Händler" (aber mit üblicher Garantie) und bekamen die 20 restlichen PCs für USD 555 das Stück zusätzlich einem Stromstabilisator wegen den etwaigen Überspannungen hier in Lima. Um mir ein Bild zu verschaffen, wie die PCs zusammengebaut wurden aus den Einzelteilen, verlangten wir, dass wir bei der Zusammenstellung der Maschinen dabei sein durften. Fernandez, der Techniker, erzählte uns dann auch freundlich, wie alle Komponenten zusammengesteckt werden. So konnte ich ihn nach ein paar Maschinen mit etwas ruhigerem Gefühl alleine weitermachen lassen.

Am Donnerstag hatten wir dann schliesslich alle Sachen in der Schule beisammen und konnten uns an die Verkabelung machen. Luis und Juan halfen kräftig mit, die Compis im Raum aufzustellen und einzurichten und Eladio konnte alles filmen, damit wir dann eventuell am Schluss auch so einen coolen Clip drehen können wie die von der Extremadura es getan hatten. Anschliessend an die Hardware-Aufstellung ging es an die Software-Einrichtung mit Edgar, wovon ich ja schon im vorletzten Bericht kurz erzählen konnte. Aufgrund einiger Probleme bei der Installation - wahrscheinlich durch eine falsch gebrannte LinEx-CD verursacht - konnten Edgar und ich erst diesen Montag Abend spät die definitive Installation auf allen 20 Studenten-Maschinen ausführen. Es war dann ein geniales Gefühl, dass wir mit einem einzigen Tastenschlag die gleichzeitige Übertragung des Festplatten-Images auf 20 Compis auslösen konnten. Wow, wie das surrte und blinkte! (Wir waren wohl auch schon etwas im Dilirium, denn es war beinahe 4h morgens als es soweit war...)

Am anderen Tag fanden dann die Vorführ-Schulstunden statt von den sechs Bewerbern für den Linux-Kurs. Es hatten sich ganz unterschiedliche Leute gemeldet, von erfahrenen Uni-Dozenten bis zu einem Studenten, der noch ein Jahr jünger ist als ich. Bis auf einen hatten sich alle über die die zwei peruanischen Debian und Linux Mailing Lists der APESOL und der PLUG gemeldet. Grundsätzlich wären alle kompetent genug gewesen, den Kurs zu führen - das Killerkriterium, mehr als ich zu wissen, hatten alle bei weitem erfüllt. Da wir uns aber schliesslich in der günstigen Lage befanden, einen Lehrer auswählen zu können, entschieden wir uns schliesslich für den Uni-Studenten Carlos Cárdenas. Nach meiner Einschätzung war er einer mit der meisten Erfahrung mit Debian, hat grosses Engagement in der Uni und anderen Projekten der Software Libre gezeigt und kann uns auch in weiteren technischen Linux-Anliegen helfen. Das gestrige Koordinationsgespräch mit Carlos hat jedenfalls schon mal 3h gedauert und gezeigt, dass er wirklich Freude an der Herausforderung hat: Bis Montag will er die Materialien für die erste und zweite Unterrichtseinheit bereits zusammengestellt haben aus der vorhandenen Literatur. Und am nächsten Dienstag ist ja auch bereits schon der erste Schultag! Das gefällt mir hier so: die Leute sind unglaublich spontan ;)

Da nun der Vertrag vom Bildungs-Ministerium mit der Regierung der Extremadura in die Hände der Diego Thomson-Direktorin Carmen Limaco gelangte, hat das ganze Projekt für die Schule noch mehr an Wichtigkeit erhalten. Um den Forderungen des Ministerium zuvor zu kommen, hat Wilson noch schnell eine Meldung zum Projekt auf die Website des Diego Thomsons geladen. Dies wohl auch deshalb, weil wir am Mittwoch ein Interview mit dem Journalisten Christian Palacios vom El Comercio hatten. Ich traf ihn vor 2 Wochen am FLISOL Tag wo ich ihm die Projektbeschreibung in die Hand drücken konnte. Er ist selber auch Neuling in Sachen Linux, ist aber schon mit vollem Herz dabei und hat noch zahlreiche weitere Kontakte zu Stiftungen, Schulen die Linux bereits in Lima anwenden und weiteren Interessanten Personen geben können. Mitte Mai soll dann das Interview erscheinen.

Nächste Woche findet nun also bereits der erste Linux-Kurs-Nachmittag statt mit Carlos. Auch treffen wir Rudy Godoy nochmal am nächsten Dienstag um über eine allfällige Zusammenarbeit beim Aufbau einer (Meta-) Linux-Distribution. Rudy ist selber engagiertes Debian-Community-Mitglied, ist Package Maintainer und hat bereits in zahlreichen Konferenzen teilgenommen und mitorganisiert. Wäre toll, wenn durch Carlos und ihn das nächste Projekt, die Zusammenstellung eines Linux-Systems für den Bildungsbereich in Peru angefangen werden könnte!

Zusammenstecken eines Compis Celeron 2.26GHz, 512 RAM, 40GB HD, Combo etc.

Juan Ochante, Compi-Admin des Seminars, am Bildschirme schleppen

Die Händler haben die Ware erfolgreich beim Diego Thomson abgegeben

Am Zusammenstecken der Kabel

Selten so zu beobachten in der wilden Netzwelt: ein Broadcasting eines Festplatten-Images

Edgar am triumphieren mitten in der Nacht

Mit satten 93 MBit/sec durch das Äther-Netz!!!

Die Direktorin Carmen Limaco am LinEx-Compi während der Präsentations-Bewertung

Rudy Godoy, Debian-Übersetzer und einer der Bewerber, hilft ev. mit bei Linux-Distributionserstellung

Interview übers Projekt mit Journalist vom El Comercio

Carlos Cárdenas, der zukünftig Linux-Lehrer, gestern beim Koordinationsgespräch