Notizen Linux-Tage Chemnitz

Skolelinux-Coaching an den Linux-Tagen 2005 in Chemnitz



06.03.2005 - Momentan sitze ich erschöpft (ja Kurt, tatsächlich mit rauchendem Kopf ;) aber zufrieden im Zug von Chemnitz nach Weimar von wo's anschliessend mit dem CityNightLiner weiter nach Basel und dann Bern geht. Diese lange Reise hat sich total gelohnt! Darum darf ich nun auch zugeben, dass ich am Anfang doch recht skeptisch war, als mich Kurt Gramlich, Koordinator Skolelinux Deutschland, am LOTS Event 2005 in Bern zwei Wochen vorher überzeugte, doch an die Linux-Tage in Chemnitz [LINK] zu fahren, da dort ein grosses Testnetzwerk von Skolelinux aufgebaut würde. Schliesslich sagte ich aber zu und kaufte die Eisenbahntickets.

Auf der Hinfahrt erstellte ich mir folgende Liste von Bedürfnissen und Fragen, welche ich mir erhoffte, an diesem Anlass mit den entsprechenden Leuten lösen zu können:

- Spanisches OpenOffice.org 2.0 beta (OOo) auf dem Skolelinux Server installieren
- Spanischer Firefox und Thunderbird installieren
- Wie werden Übersetzungen bei Debian geschrieben?
- Budgetberatung: Welche PC-Konfiguration in Lima kaufen? Wieviele Thin/Fat Clients, welche Server?
- Spanisches Unterrichtsmaterial für Debian, KDE, OOo, Firefox etc.
- Wie können notfalls RPMs auf Debian installiert werden?
- Wie werden Installationspakete, Netzwerk, Bildschirmeinstellungen etc. auf der grafischen Oberfläche eingestellt?
- Kompilieren und Installieren von Apache, PHP5 und MySQL
- Gibts spanische Dokumentation von Skolelinux?

Als ich am Freitag Morgen, 4. März in der Technischen Universität Chemnitz ankam, durfte ich als erster die Skolelinux-Ecke belegen. Gemütlich schraubte ich mal meine Windows XP Festplatte aus dem Dell Laptop (Inspiron 8200) und ersetzte sie mit einer unbeflecktem 60GB-Scheibe. Nachdem meine Aufstellungs-Hilfkraft nicht mehr gefragt war bei den Organisatoren, konnte ich mich an die Linux-Installation Nr. 1 machen: Es war die Woody-Debian-Version von Skolelinux, welche ich mir auf der Projekt-Website runtergeladen hatte. Die Installation klappte einwandfrei, aber da ich, wie mir später mitgeteilt wurde, die falsche Konfiguration (Installation des Hauptservers und einer Workstation) ausgewählt hatte, musste ich bald wieder von vorne beginnen. Das war aber weiter kein Problem, denn die nach und nach ankommenden Skolelinux-Leute Harald, Monika und Martin halfen mir geduldig dabei. So kam also Linux-Installation Nr. 2: Ein Prerelease von Skolelinux auf Sarge, jetzt aber mit Hauptserver Tjener und einem Terminalserver.

Parallel dazu durfte ich dann erleben, wie Martin auf dem gesponsorten Netz von 10 nigelnagel neuen Computern mit TFT-Bildschirmen und dem Server von Harald das Standard-Skolelinux Thin Client Netzwerk aufbaute. Eigentlich lief alles nach Plan, jedoch liessen sich die neuen Maschinen nicht übers Netz starten. Zum Glück hatte Martin schon viel Erfahrung mit dem Linux Terminal Server Project (LTSP) sammeln können und wusste gleich, dass der Server die neuen Netzwerk-Karten der Client-Computer nicht erkannte.

Weil dies noch ab und zu der Fall sein kann mit neu gekauften Computern, hier kurz ein paar Lösungshinweise und weitere Einstellungsmöglichkeiten für die Thin Clients auf dem Skolelinux-Server:

1. Mit "lsmod" die geladenen Module des Linux-Kernels anzeigen. Dabei wurde bei den installierten Netzwerk-Karten der "sk98lin" Netzwerk-Kartentreiber erkannt. (Computer mit Knoppix starten)

2. Auf dem Skolelinux-Server konnte auf "/opt/ltsp/i386" der Root-Pfad der Thin Clients angezeigt werden und darin mit "find . -name sk*" nach "sk" rekursiv in allen Verzeichnissen gesucht werden.

3. Auf "/etc/dhcp3/dhcpd.conf" konnte überprüft werden, dass die Einstellungen des DHCP Servers auch richtig waren, also die IP-Nummern korrekt an die Thin Clients verteilt wurden.

4. Auf "/tftpboot/lts/pxelinux.cfg" (TFT für Trivial File Transfer) ist das Verzeichnis mit allen Konfigurationen für das Booten vom Netzwerk.

5. In der Datei "default" sind alles Standard-Einstellungen. Darin steht auch, welcher Kernel mit welchen spezifischen Einstellungen gebootet wird. Und in dieser Konfigurations-Zeile mussten wir den Namen des Netzwerkkarten-Treibers eingeben: "NIC=sk98lin" (in den Zwischenräumen, als neuer Parameter)

6. In der Datei "C08A000A" (Hexadezimal für 192.168.0.10) können Spezialeinstellungen für die jeweilige IP-Nummer eingeben werden, welche dann mit der an diesem Ort festgelegten Konfiguration startet.

7. Auf "/opt/ltsp/i386/etc/lts.conf" stehen alle Hardware-Einstellungen der Thin Clients. Dort konnten wir z.B. mit 'X_MOUSE_PROTOCOL="ImPS/2"' angeben, dass die Scroll-Wheel Maus erkannt wurde.

Nachdem nun die Terminals zum Laufen gebracht wurden, konnte ich endlich mal einen Thin Client ausprobieren. Ich war sehr kritisch eingestellt, denn die an der Uni Bern verwendeten Citrix-Terminals waren unglaublich lahm im Bildschirmaufbau. Umso erfreuter genoss ich die Geschwindigkeit, mit welcher sich die 10 angehängten Thin Clients bedienen liessen. Selbst Grafiken rumschieben im eben erschienen OpenOffice.org 2.0 beta ging so schnell wie auf dem Laptop. So was müssen wir in Lima auch machen, denke ich. Da gibts noch ca. 15 ältere PCs, auf denen allen Windows 98 installiert ist. Mit dem Thin Client Prinzip sollten sie sich ohne Festplatten-Eingriff von einem Terminal Server starten und anschliessend die gewünschte Open Source Software zu Schulungszwecken ausführen lassen. Mal schauen, ob die Netzwerkkarten ohne zusätzliche Einstellungen erkannt werden!

Zurück zur eigenen Skolelinux-Installation auf dem Laptop. Leider traten nun die ersten Probleme auf, denn der laufende DHCP Server verteilte fröhlich IP-Nummern an die anderen angeschlossenen Geräte im Netzwerk. So musste dieser abgestellt und ebenfalls die Netzwerkeinstellungen in "/etc/networks/interfaces" angepasst werden. Den Abend und die Nacht verbrachten dann Martin und ich mit Rumproben von Software-Installationen auf meinem Laptop.

Am zweiten Tag, 5. März, durfte ich gleich am Morgen mein lang ersehntes und am Vortag bestelltes Buch "Debian GNU/Linux PowerPack" von der Uni-Buchhandlung entgegennehmen. Zuerst war ich etwas enttäuscht wegen der textlastigen Ausgabe ohne farbigen Screenshots und so. Als ich aber wenig später das Kapitel über die Linux Verzeichnisstruktur las, erkannte ich den grossen Wert von diesem 1000-Seiten-Werk. Sobald man sich gründlich mit der Sache beschäftigen möchte, ist das eine super Lektüre mit fundierten Grundlagen für den Einstieg in die Linux-Welt.

Nachdem ich dann das Kapitel über die Verzeichnisstruktur von Unix Systemen ganz durchgelesen hatte, wurde mir bewusst, wieviel ich eigentlich noch NICHT wusste von der ganzen Linux-Sache. So entschloss ich mich, dem Rat von Kurt Gramlich zu folgen und zuerst mal mit SUSE Linux zu starten und erst später Debian zu installieren. Freundlicherweise schenkten mir die Leute des NOtebooks FOr STudents-Standes gleich eine SUSE 9.1 Box (da sie 9.2 verkauften) mit Installations-DVDs und zwei Handbüchern. Ich machte mich also sogleich daran, die Linux Installation Nr. 3 auszuführen. (Und da ich was falsch bei der Partitionierung eingestellt hatte, gleich noch Nr. 4...) Dank der Geduld von Christian Külker konnten wir dann innerhalb von nur 2 Stunden auch die Bildschirmeinrichtung noch richtig konfigurieren welche leider von YaST nicht richtig gespeichert wurde. (hier noch meine funktionierende XF86Config)

Wegen Update-Problemen von Software mit SUSE und wegen dem Einführungskapitel des Debian-Buches wurde dann am anderen Tag schliesslich doch noch überzeugt von der Überlegenheit der Debian-Distribution. Es gilt nun also, in Lima zuerst einen Terminal Server für die vorhandenen Computer (welche mit Win 98 laufen) einzurichten und darauf die OpenOffice.org und anderen Anwendungs-Schulungen abzuhalten. Anschliessend können dann auf den neuen Computern Linux-Installationskurse von Edgar Lozada und anderen eingefleischten Linux-Leuten durchgeführt werden. Über den weiteren Verlauf dieses Zivi-Projektes am Diego Thomson werde ich dann in einer Woche berichten, sobald wir in Lima gelandet sind. Feedbacks zu diesem Bericht und dem ganzen Open Source Software-Projekt sind jederzeit herzlich willkommen auf matthias@stuermer.ch!